Ein befreundeter OM hat mir diese Geschichte zugespielt. Ich fand sie ganz witzig, irgendwie hatte man das Gefühl, in Hamburg hätte sich diese so und in etwa abgespielt. Doch macht euch bitte selber ein Bild davon, viel Spaß beim Lesen und Schmunzeln. 

 

...es war einmal 

Eine völlig frei erfundene Geschichte,  tatsächlich existierende Personen, oder vergleichbare Umstände, wären wirklich rein zufällig. 

Es war einmal im frühen Berlin, so gegen Ende der 60ziger Jahre. 

Dort in Charlottenburg traf sich täglich eine Gruppe von jugendlichen Funkfreunden in einer alten und schmierigen Imbissbude in der Knobelsdorfstraße. Nach der Arbeit steuerte  auch ein kleiner "gewisser Peter" diese Frittenbude an und fegte sich drei Setzeier auf Kartoffelsalat in die noch jugendliche Wampe. Nach einiger Zeit füllte sich dieser "Stammtisch" so gegen 17.00 Uhr mit ca. 10 begeisterten Funkfreunden. Uns alle Verband das noch junge Hobby der "Funkerei". Damals gab es nur einen Kanal (Gruppe 5 - 27.215 MHz) zur freien Verfügung. Alles andere war unter schwerer Strafe verboten, gerade im geteilten Berlin das damals noch unter dem Viermächte - Vertrag der alliierten Militäraufsicht stand.

Matte dunkelgrüne Militärfahrzeuge mit abgedunkelten Scheiben patrollierten durch die westlichen Stadtbezirke. Die amerikanischen Fahrzeuge waren mit geheimnisvollen 11m Antennen ausgestattet. Man ahnte Böses hinter den dunklen Scheiben.  

Die Gruppe junger Funkfreunde suchte nun nach einem Weg nach mehreren Kanälen und öffentlichem Auftritt. Es formierte sich ein Autohilsclub "Edelweiß".  Somit durften wir ein 6 Kanal - Gerät benutzen und fuhren mit einem ausgeschilderten Pannenhilfswagen durch Berlin. ( Gruppe 4 ) Wer noch kein eigenes Auto hatte, fuhr als "Pannenhelfer" mit. Im Prinzip ging es der Gruppe nur um den Funkbetrieb. Pannendienste wurden nur gelegentlich als Alibileistung erbracht. Schließlich gab es damals schon den ADAC.

Wir funkten also "auf Teufel komm raus". Die Bude war unsere Basisstation für den Bereich Berlin-West. Die kleine Imbissbude platzte daher an einigen Tagen regelrecht aus allen Nähten. Sie hatte nur ca. 20 qm und wir waren nicht selten um die 30 Mann & Frau. Wir saßen oft bei den Funkfreunden auf dem Schoß. Es wurde gesoffen, gequalmt, gezockt und es soll auch einmal zu einer "deftigen  Nummer" mit einer YL quer über dem Tresen gekommen sein. Leider war unser kl. Peter zu der Zeit nicht dabei. Worüber er sich bis heute ärgert. Auch wurden oftmals einige Funker nach vielen Stunden der Bierseeligkeit in der Morgendämmerung an den Beinen aus dem "Laden" gezogen und mit einem Eimer Wasser "wiederbelebt".

So ging es jedenfalls über viel Jahre. (Der offizielle CB-Funk wurde ja erst 1975 eingeführt.) Nach der "ersten Hitze" wurde es dann Anfang der 70ziger Jahre etwas ruhiger und die Mitglieder wurden weniger. Einige Funkfreunde kamen dann auf die Idee die Amateurfunklizenz zu machen. Damals noch recht schwierig und Aufwendig. Also nur etwas für 100%tige Funkfreunde. Der Aufwand war enorm. Unser "Peter" war aber kein so 100%tiger Funker, er suchte nur die Gesellschaft und das nette QSO unter Freunden. Nach und nach waren seine engsten Jugendfreunde zu Funkamateuren der Lizenzgruppe C mutiert.

Unser besagter "Peter" war mit seiner 3 jährigen Ausbildung fertig und suchte nun voller Tatendrang nach neuen Herausforderungen und Aufgaben. Berlin war im nicht genug. Es zog ihm aus familiären und beruflichen Gründen nach Hamburg. Hier lebte noch eine Tante von ihm.

Nun stand der kleine Peter ganz alleine mit Sack und Pack in der neuen großen Stadt. Den Kopf voller Ideen, die Taschen leer. Aber er hatte einen Arbeitsplatz! Die neue Firma suchte für ihn sogar nach einer kl. Wohnung. Fürs Erste brachte man den kleinen Bub in einem schmuddligen Hotel am alten Pferdemarkt unter. Nach der ersten Nacht im fremden Bett und in einer fremden Stadt, ohne "Mama und Papa", schaute unser Peter erst einmal ganz verschlafen aus seinem Hotelfenster.

Er wollte es erst gar nicht recht glauben, auf der gegenüberliegenden Seite der Straße erblickte er einen Funkerladen! So schnell hatte unser Peterle noch nie seine Hose über'n  Hintern gezogen. Noch ohne Frühstück drückte er seine Nase am Schaufenster platt. Ein Schlaraffenland bot sich ihm. Leider war der Laden noch geschlossen und er mußte erst einmal zur Arbeit fahren. Nach Feierabend zog es ihn aber dann sofort in dem besagten Laden am Schulterblatt. Hier in der fremden Stadt, mußte erst einmal ein Funkgerät her um neue Kontakte zu knüpfen. Sein neues Auto war auch noch nicht einmal mit einem Antennenloch ausgestattet.

Hier stand er nun im Schlaraffenland und ließ sich viele 11m Funkgeräte zeigen und vorführen. Ganz nebenbei stand auf der Glasvitrine ein quakendes schönes UKW-Gerät. Eine Super-Kiste, tolle Verständigung, sauberer Klang und schönes grünes Design. Preislich lag es weit unter den neuen 11m Geräten und hatte viel mehr Kanäle und sage und schreibe 10 Watt Leistung. Unser Peterle dachte: "das will ich!!" Der Verkäufer faselte irgendetwas von "Amateurfung" oder so. Peterle hat kaum zugehört, er sah nur dieses schöne Gerätchen dort funkeln. Gesehen, - - gekauft!

Nachdem er nun in seinem Hotelzimmer saß und etwas zur Ruhe gekommen war, dämmerte es ihm langsam, waser sich da eigentlich gerade gekauft hatte. Mensch, du hast dir gerade ein verbotenes Amateurfunkgerät gekauft!

Was jetzt, umtauschen - nee? In seiner Heimatstadt wurde das recht eng gesehen, schon wegen der geschilderten Militärpolizei mit ihren dunkelgrünen Autos. Aber Peterchen war weit weg von dieser geteilten Stadt. Neues Spiel, neues Glück. Hier sieht man das sicher nicht so eng. Schließlich war er jetzt in der freien Bundesrepublik Deutschland und nicht mehr im gefährlichen Berlin unter alliierter Hoheit. Also hier ist "Narrenfreiheit". Keiner kennt den kleinen Peter in Hamburg, - aus dem fernen Berlin hinter den sieben Bergen und der großen Mauer.

Schnell bekam der "pfiffige Berliner" spitz, wie das so auf UKW funktioniert. Er hörte Tag und Nacht zu, eignete sich eine entsprechende "vornehmere Ausdrucksweise" an. Nach 4 Wochen wollte er nun endlich "mitmischen". Wie war das noch mal mit dem Rufzeichen? Ach so, hier braucht man ja ein Rufzeichen. Was macht er denn nun?

Jetzt erinnerte er sich an die Zeit in Berlin und an seine alten Kumpels aus der Imbissbude. Hier machte doch sein alter Kumpel die Amateurfunklizenz, oder wie war das?  Klar, der hieß doch auch Peter und war in seinem Alter. Nun zählte er 1 und 1 zusammen und übernahm einfach seine Identität. Berlin war weit weg, es gab 1972 noch kein Internet keine Handys. Auch die Funkrelais hatten noch nicht die Standorte und Reichweiten bis nach Berlin. Es gab zwar schon über das Spandau-Relais eine Funkstrecke in die damalige BRD, aber nicht direkt nach Hamburg.

Daher "schlüpfte" unser Peterle also in die Rolle seines guten Kumpels aus Berlin und gab sich somit das Rufzeichen DC 7 NT.

Er mochte es selbst kaum glauben, aber es klappte. Er wurde allgemein akzeptiert und war in jeder Runde dabei. Er war nicht mehr allein in der neuen Heimat! Er besuchte viele Funkfeunde zu Hause, war bei jeder Veranstaltung dabei. Es ging wie geschmiert. Nun war unser Peterle ja kein dummer, er übernahm schnell die Gepflogenheiten hier in Hamburg und beobachtete ständig die Funk - Aktivitäten seines alten Kumpels aus Berlin. Der hatte nach der ersten Euphorie bald die Nase voll und funkte nicht mehr. Unser Peterle wurde also hier in Hamburg immer mutiger. Aus Peter Zimelka wurde nun "Peter Delater" mit Haut und Haaren. Niemand konnte ihm das Gegenteil beweisen. Niemand hat einen Verdacht geschöpft, weil es bis dahin so etwas noch nie gab. Man hat sich damals auch noch nicht gegenseitig "angeschissen" oder Mißtrauen gesät. Er gehörte voll dazu!

Über 30 Jahre ging das gut, ohne Probleme. Über 30 Jahre keine Gebühren gezahlt und doch mittendrin. Geil!

Die ersten Probleme entstanden mit dem Aufbau des Internets, so um 2001. Hier und da waren nun schon die ersten ganz schlauen Funker "hellhörig" geworden, weil sein Kumpel in Berlin auch seinerseits wieder Kontakt mit Funkfreunden im Internet hatte. Er funkte zwar nicht, aber er war im Netz und hatte eine kleine Ortsrunde in seiner Wohngegend.  Peterles langsamer Untergang begann.  Die "Wühler" in Hamburg wurden immer mehr, der Informationsaustausch immer schneller und umfangreicher. Die ersten Denunzianten konnte Peterle noch viele Jahre als Spinner abtun. Man war hier in Hamburg auch der festen Überzeugung: Der kleine Peterle ist einer von uns, der ist kein Schwarzer! Dann kamen noch zusätzlich die neuen D0 Lizenzen und somit die alte CB –Funk - Anscheißermentalität  auf das Band (Norbert & Konsorten). Dagegen war unser nun in die Jahre gekommener Peterle nicht mehr sicher. Vielleicht war unser kleiner Peterle auch in den vielen Jahren zu selbstsicher und zu frech geworden?  Nach dem Berliner Motto: Mir kann keena!!!

Es gab hier in Hamburg nur sehr wenige Leute, die seine Biographie kannten. Darunter war die Firma Kölsch, die ihn schon beim Kauf des ersten Gerätes durchschauten. Aber sie wollten Umsatz machen und Peterle schleppte reichlich DM 's zur "spitzen Ecke" in den Jahren. Schließlich hatte sich unser Peterle auch stets anständig und völlig korrekt auf dem Band verhalten. Es gab nie Beschwerden. Also hielt man das Maul und kassierte. Es gibt auch 3 Funkamateure, die unseren angenommenen Peterle in unserem kl. Märchen kennen. Unser Peterle war auch ständig darum bemüht andere Funkfreunde von seinem eigenem Schicksal zu bewahren indem er sie ständig dazu ermunterte doch die Lizenz zu machen.

Es reichte ein Schwarzer !

Nun kommt der absolute Hammer. Unser Peterle war ja nicht zu doof die Lizenz zu machen, er war in den Jahren nur zu faul  -  und wie sollte er denn nach so vielen Jahren ein evtl. neues Rufzeichen auf dem Band erklären? Er war doch DC 7 NT? Eine verzwickte Situation.

Er büffelte trotzdem vor einigen Jahren die Prüfungsunterlagen und war Prüfungsreif noch nach den alten Bestimmungen. Er wollte eine Lizenz machen, aber trotzdem mit dem Rufzeichen DC 7 NT weitermachen. Da biß sich aber der Hund in den Schwanz. Denn somit hätte er sich dann vorsätzlich des Rufzeichemißbrauches schuldig gemacht. Peter wollte sich nicht noch weiter schuldig machen. Er wählte das kleinere Übel und blieb erst einmal DC 7 NT. Der Druck wurde aber zu stark und er gab freiwillig auf und wechselte auf das 11m Band. Er dachte nun ist Ruhe, aber denkste. Die Vergangenheit holte ihn sogar dort noch ein. Man "wühlte und  stocherte" weiter in seinem Leben. Schon längst hat unser Peterle seine Gerätschaften soweit heruntergefahren, daß man ihm nicht mehr ans Bein pinkeln kann.

Zwischenzeitlich ist aus dem Straftatbestand "Schwarzfunken" nur noch ein Vergehen geworden. Somit wird also "nur" noch evtl. ein geringes Bußgeld verhängt, falls man es überhaupt nachweisen kann. Da liegt ja der Knüppel beim Hund, die Schwierigkeiten der Behörden liegen ja darin, ein Vergehen gegen das Fernmeldeanlagen Gesetz direkt nachzuweisen. Man müßte also unserem Peterle direkt beim Senden erwischen, oder zweifelsfrei einmessen. Für die Vergangenheit kann man sowieso nicht mehr bestraft werden. Zudem muß ein öffentliches Interesse vorliegen, da es sonst jeder Richter sofort wieder einstellt. Der Amateurfunk genießt aber kein öffentliches Interesse.

Es ist natürlich ausgesprochen unangenehm das so ein alter Waldschrat und D0ler (Brockmöller) den Namen und die Anschrift von unserem Peterle übers Band plärrt. Er hat wohl noch gar nicht mitbekommen, daß unser Peterle schon längst freiwillig seine "Zelte" abgebrochen hat uns sich auf das Free Net und auf 11m zurückgezogen hat. Was soll das ganze also. Das ist übles "Nachtreten".

So Harry, wie findest du die natürlich "völlig frei erfundene Geschichte"?

Würdest du mit "so Einem" noch sprechen?

Kann man diese Geschichte auch Rudi erzählen?

Bis dann / TP